OpenXML – ein Standard für die Welt? -Update-

Als würde das OpenDocument Format (kurz: ODF) nicht als Standard für den Dokumentenaustausch reichen, will Microsoft mit OpenXML einen eigenen Standard durchsetzen, sei es nun aus Prestigegründen oder aus reiner finanzieller Absicht.

Von mir aus kann Microsoft ruhig einen Standard einführen – nur sollte er dann auch einer sein.

  1. Sollte die Namensgebung nicht irreführend sein. In einem Standard der sich „Open“ nennt sollten keine proprietären Techniken verwendet werden. Auch sollte keine Möglichkeit geboten werden proprietäre Erweiterungen einzubinden
  2. Klar, nichts und niemand hat keine Fehler. Jedoch sollten Standards keine derart groben Fehler haben wie es OpenXML hat. Denn hier wird der 01.01.1900 zu einem Sonntag erklärt, obwohl es ein Montag war und der Februar 1900 hat 29 Tage, obwohl dieses Jahr laut dem gregorianischen Kalender (welcher seit immerhin 1582 besteht; die Regeln für Schaltjahre sollten sich also mittlerweile herumgesprochen haben) eindeutig KEIN Schaltjahr war. Desweiteren (oder vll. Gott sei Dank?!) verzichtet OpenXML ganz auf die Berechnung von Daten vor dem 01.01.1900.
  3. Kommen wir nun zur Gleichbehandlung bzw. Berücksichtigung der ganzen Welt in weltweiten Standards wie OpenXML es sein will. Aber HALT! Bei allem Respekt für andere Kulturen: OpenXML ignoriert einfach die Möglichkeit, dass andere Kulturen andere Wochentage als „Wochenende“ definieren. So versteht man z.b. im Irak unter „Wochenende“ Freitag und Samstag, im Sudan hingegen sogar nur den Freitag. Als Arbeitnehmer im Nahen Osten (nahezu alle vorwiegend muslimischen Staaten haben vom Westen abweichende Wochenenden) würde ich meinen Arbeitgeber erschlagen, wenn er für die Gehaltsabrechnung die NETWORKDAYS-Funktion verwenden würde; unterschlägt diese doch regelmäßig Arbeitstage…
  4. …weiter mit der Gleichbehandlung: Laut RFC 3987 dürfen URLs aus UTF8-Zeichen bestehen. OpenXML unterstützt diesen Standard nicht, somit müssen unter anderem Chinesen (immerhin 1/6 der Erdbevölkerung, Tendenz steigend…) auf die Darstellung ihrer Schriftzeichen in URLs in OpenXML-Dokumenten verzichten.
  5. Dokumentation? Tja, die ist wichtig. Aber die 6000 Seiten von OpenXML sind happig. Will Microsoft hier versuchen Geld zu scheffeln, weil Unternehmen die Hilfe von Microsoft in Anspruch nehmen müssen, wenn sie den Standard umsetzen wollen, oder will man einfach die stimmberechtigten Nationen mit der Papierflut überfordern (bei 80g/m² Papiergewicht sind das 30kg Papier…)?!

Ob OpenXML letztendlich zum ISO-Standard wird, wird sich im März 2008 entscheiden. Meiner Meinung nach ein Standard, den die Welt nicht braucht, weil es mit dem OpenDocument-Format bereits eine sehr gute Alternative gibt.

-Update-
Einige Bugs wurden nun wohl zumindest in Office Produkten gefixt.

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Ein Kommentar zu OpenXML – ein Standard für die Welt? -Update-

  1. Matze sagt:

    Sehr interessanter Bericht, danke für die Info!
    Matze

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