Skandalöser Christstollen

Es gibt Zusteller, ähm Fachkräfte für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen, deren Arbeitsleistung angezweifelt werden kann. Mal kommen sie zu spät, manchmal überpünktlich, so dass man selbst gerade nicht zu Hause ist, ein anderes Mal schafft man es nicht innerhalb von 5 Sekunden nach dem Klingeln zur Tür zu sprinten. Schafft man es doch, bekommt man ein nach kaltem Zigarettenqualm stinkendes Paket ausgehändigt. Manchmal jedoch verschwindet aus unerfindlichen Gründen ein Paket.

Glaubt man Berichten der DPA oder Reuters bzw. Angaben der Ermittlungsbehörde im Fall des Datenskandals bei der Landesbank Berlin so sorgten zwei hungrige Kurierdienstmitarbeiter für die große Aufregung, bzw. – je nach Ansicht – für die zufällige Aufdeckung einer großen Sicherheitslücke im Umgang mit vertraulichen und sicherheitskritischen Bankdaten.

Ein von einem Stuttgarter Unternehmen an den Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“ abgeschicktes Paket mit einem Christstollen hat zwei Mitarbeiter eines Kurierdienstes anscheinend so stark gefallen, dass sie es öffnen und dessen Inhalt verspeisen mussten. Um den Diebstahl zu vertuschen, klebten sie den Adressaufkleber des Stollen-Päckchen auf eines von 6 Paketen an die Landesbank Berlin.

Ein fatales Missgeschick: so erhielt die „Frankfurter Rundschau“ 907 Microfiches mit Kreditkartenabrechnungen und acht unzustellbare PIN-Briefe „zugespielt“. Klar, dass die Frankfurter Rundschau dies als Steilvorlage für einen Artikel ansah.

Laut Staatsanwaltschaft war die Aufklärung dieses Falles die personalintensivste Suche nach dem Verbleib eines Christstollens. Zusätzlich betonten die Ermittler ausdrücklich, dass es sich bei dieser Meldung um keinen Scherz handelt.

Fraglich ist meiner Ansicht nun, wieso die Postboten überhaupt die Empfänger ausgetauscht haben. Ein Paket, welches nicht ankommt ist meiner Ansicht nach unauffälliger, als ein Paket, dessen Inhalt bei einem falschen Empfänger landet. Eine vernünftige Antwort wäre, dass der Empfang des Christstollen-Paketes quittiert werden musste, der Empfang der Pakete an die Landesbank jedoch nicht.

Sofort drängen sich weitere Fragen auf: Wie minderbemittelt muss ein Zusteller sein, den Inhalt eines verfolgbaren Paketes zu stehlen und wieso wurden die sensiblen Microfiches und PIN-Briefe auf eine so unsichere Art verschickt?

Die Masterfrage ist allerdings die, ob es überhaupt sinnvoll ist, externe Dienstleister für den Transport solch vertraulicher Daten zu beauftragen.

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6 Kommentare zu Skandalöser Christstollen

  1. Pingback: hep-cat.de » Vertuschter Stollen-Raub

  2. Pingback: schwarz-weiss.cc

  3. T. Keller sagt:

    mhh… erweitere Todo-Liste: Charset fixen…

  4. Pingback: Der Stollen-Fall, der den Skandal nur größer macht - und es keiner merkt es | blogoperium.de

  5. Pingback: Vertuschter Stollen-Raub « hep-cat.de

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